Petrusbrunnen auf dem Trierer Hauptmarkt feierlich enthüllt

Das Stadtbild am Hauptmarkt ist wieder komplett: Nach viereinhalbmonatiger Restaurierung ist der Petrusbrunnen am Samstag feierlich enthüllt worden.

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Trier: Der Denkmalrettungsverein Trier-Gesellschaft und die Stadt haben das vor 30 Jahren zuletzt sanierte Denkmal in einem Gemeinschaftsprojekt optisch und technisch wieder auf Vordermann gebracht.

 

 

 

Mehr als 500 Gäste erlebten den großen Moment, der allerdings etwas auf sich warten ließ. Die Schutzplane, die Stadtpatron Petrus und die übrigen Brunnenfiguren verhüllte, hatte sich verfangen. Es dauerte mehrere Minuten, bis sie per Hand befreit und von einer Feuerwehr-Drehleiter aus abgezogen werden konnte. Großer Beifall, als sich Petrus & Co. endlich in frischer Farbfassung zeigten. “Ein echter Hingucker, ein Gewinn für Trier”, fand nicht nur OB Klaus Jensen. Erstmals nach jahrelanger Pause floss endlich wieder Wasser – das aber nur zur Feier des Tages.

Karlheinz Scheurer, der Vorsitzende der Trier-Gesellschaft, kündigte für das kommenden Frühjahr ein “richtiges” Brunnenfest an: Es soll im Rahmen des zehnten Ostermarkts der City-Initiative Trier (2. bis 6. April) auf dem Hauptmarkt gefeiert werden.

Die Petrusbrunnen-Enthüllung wurde musikalisch umrahmt von der Stadtgarde Augusta Treverorum. Weitere Programm-Beiträge lieferten Mundart-Interpretin Lieselotte Haupers sowie Schauspieler Peter Singer, der als “Brunnenflüsterer” die bewegte Geschichte des 1595 von Ruprecht Hoffmann erbauten Brunnens Revue passieren ließ. (rm)

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Bis Oktober wieder tipptopp

Die Gerüstbauer haben ihren Job schon fast erledigt, bald rücken Restauratoren und Techniker Petrus & Co. auf die Pelle. Die Runderneuerung des maroden Hauptmarktbrunnens hat begonnen. Spätestens im Oktober soll das bedeutende Stadt-Denkmal wieder so strahlen wie 1983.

petrusbrunnen04Trier. Zum Jubiläum ein besonderes Projekt: 99 Denkmäler hat der Verein Trier-Gesellschaft seit der Gründung 1982 gerettet oder zu deren Erhaltung maßgeblich beigetragen. Denkmal Nummer 100 ist der Petrusbrunnen. Der gehört der Stadt, aber die kann sich die dringend notwendige Runderneuerung nicht im Alleingang leisten. “Erst das Engagement der Trier-Gesellschaft macht das Vorhaben möglich. Dafür sind wir sehr dankbar”, sagt Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani und meint damit nicht nur die finanzielle Unterstützung: Der Verein fungiert auch als Bauherr.

Stadtpatron auf dem Trockenen
Seit geraumer Zeit verfällt der Hauptmarktbrunnen zusehends. Vermoost und verdreckt bietet er zudem nur noch einen matten Abglanz seines Erscheinungsbilds nach der 1983er Restaurierung. Und Wasser fließt schon längst keines mehr, weil die Technik defekt ist. Auf 100 000 Euro wird die Instandsetzung veranschlagt. “Die Finanzierung ist gesichert”, vermeldete der Trier-Gesellschafts-Vorsitzende Karlheinz Scheurer gestern beim offiziellen Startschuss der Arbeiten. 40 000 Euro entfallen demnach auf die Stadt, die Mainzer Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) zahlt 15 000 Euro, und für die restlichen 45 000 Euro steht die Trier-Gesellschaft gerade. Dabei wird der Denkmalrettungsverein durch die TV-Aktion “Meine Hilfe zählt” unterstützt, aber auch durch Firmen wie das Gerüstbauunternehmen Trappen, das zum Nulltarif arbeitet.

“Wir sammeln weiter Spenden”, kündigt Scheurer an: “Jeder Euro zählt. Je weniger wir auf unsere Rücklagen zurückgreifen müssen, desto mehr Spielraum haben wir für weitere Projekte.” Auf der Warteliste unter anderem: das Marienfresko im Kreuzgang von St. Matthias und die alte Hauptfriedhofs-Kapelle (Sonderkonto der Trier-Gesellschaft: Sparkasse Trier, Nr. 468033).

petrusbrunnen05Spendenübergabe vom Kath. Bürgerverein Trier. Wir sagen:” Danke!”
Voraussichtlich für drei Monate wird der Petrusbrunnen hinter einem verkleideten Gerüst verschwinden. Unter Projektleitung von Architekt Gerd Kintzinger stehen Stein- und Farbrestaurierung, die Erneuerung von Wasser- und Pumpentechnik sowie Beleuchtung, die Restaurierung des Stahlgitters und die Reparatur der Bleiauskleidung auf dem Programm. Bis Anfang Oktober soll wieder “alles tipptopp” sein.
Am Tag des offenen Denkmals (8. September) will die Trier-Gesellschaft einen Blick hinter die Kulissen gewähren und dazu “Brunnenwein” anbieten: trockenen Ruwer-Riesling und feinherben Riesling von der Saar, jeweils Jahrgang 2011, von den Bischöflichen Weingütern. Der Reinerlös fließt ins Petrusbrunnen-Projekt.

EXTRA
Üppiges Dekor: Der 1595 von Bildhauer Hans Ruprecht Hoffmann geschaffene Petrusbrunnen ist ein Meisterwerk. Den in mehreren Etagen aufgebauten Brunnenstock krönt die Statue des Stadtpatrons Petrus, im unteren Teil sind unter anderem die Kardinaltugenden Justitia (Gerechtigkeit), Fortitudo (Stärke), Temperantia (Mäßigung) und Prudentia (Klugheit) dargestellt. Hinter dem Damen-Quartett treiben Affen unartige Dinge. Die Figuren sind Kopien, die Originale stehen – wie der Figurenschmuck der benachbarten Steipe – im Stadtmuseum Simeonstift. In seiner 418-jährigen Geschichte wurde der Petrusbrunnen mindestens sieben Mal restauriert – zuletzt 1983 im Vorfeld der 2000-Jahr-Feier Triers (1984). rm.

 

Farbenpracht und Trutzigkeit

Petrus und seine Tugenden hat sich die Trier-Gesellschaft vorgeknöpft: Bis September soll sich der Brunnen auf dem Hauptmarkt runderneuert und farbenfroh präsentieren. Zu neuem Leben erweckt werden soll auch die Kürenzer Thiels-Burg.

petrusbrunnen03Trier. 99 Projekte hat die Trier-Gesellschaft in den 31 Jahren ihres Bestehens gestemmt. Da darf das 100. durchaus noch etwas prestigeträchtiger sein: Diesmal ist der Stadtpatron dran. “Das Jahr steht bei uns ganz im Zeichen des Petrusbrunnens”, sagt Karlheinz Scheurer, Vorsitzender der Trier-Gesellschaft, bei der Jahreshauptversammlung im Stadtmuseum Simeonstift.

Triers Wahrzeichen auf dem Hauptmarkt ist auch ein Projekt im Rahmen der TV-Benefizaktion “Meine Hilfe zählt”. “Der aktuelle Spendenstand ist 6300 Euro”, berichtet Scheurer. Das Ziel liege bei nunmehr rund 30 000 Euro, da zusätzliche Spenden geflossen seien. Insgesamt werde die Sanierung des Brunnens, für die die Trier-Gesellschaft Bauherrin ist, rund 100 000 Euro kosten.

Spender können Figuren und Teile des Brunnens im Rahmen einer einmaligen Partnerschaft übernehmen. “Zu haben sind zum Beispiel noch Petrus\’ Bibel und der Kellerschlüssel sowie Meerweibchen, Putten, Delfine und kleine Wappen”, sagt Scheurer. Für Mitte Juni sei die Einhausung des Brunnens geplant: “Man wird ihn abgebildet sehen können.” Fertig sein soll er zum Tag des offenen Denkmals am 8. September.

Im Fokus des vergangenen Jahres stand für die Trier-Gesellschaft die Bastion in der Kaiserstraße. “Heute leuchtet sie!”, berichtet der Vorsitzende stolz. Die Leuchtmittel seien durch Stahl vor Vandalismus geschützt. Die Bastion sei von Bäumchen und Unkraut befreit worden, das Mauerwerk neu verfugt worden.

Von den Gesamtkosten von 52 000 Euro habe die Trier-Gesellschaft mehr als 12 000 übernommen. Ein bereits seit dem Jahr 1998 laufendes Projekt konnte im vergangenen Jahr abgeschlossen werden: die grundlegende Sanierung der Biewerer St.-Jost-Kapelle, einer früheren Leprastation. Von den mehr als 150 000 Euro stemmte die Trier-Gesellschaft rund 30 000 Euro.

Widderköpfe bleiben im Museum
Ein Anliegen musste leider abgeblasen werden: “Die finanziellen Mittel, die Widderköpfe des alten Viehmarktbrunnens wieder am Viehmarkt zu zeigen, wären sehr groß”, sagt Scheurer. Daher sollten sie besser im Landesmuseum verbleiben. Zwei weitere Projekte liegen der Trier-Gesellschaft am Herzen. So sei die denkmalgeschützte Kapelle auf dem Hauptfriedhof dringend sanierungsbedürftig: “Sie ist in einem desolaten Zustand, das Dach ist kaputt. Die Stadt müsste mitziehen!”, betont Scheurer.

Wenn es nach der Trier-Gesellschaft geht, soll auch die Kürenzer Thiels-Burg in den Weinbergen bald wieder für Besucher geöffnet und über eine Außentreppe begehbar sein. Vom Obergeschoss des trutzigen preußischen Bauwerks aus dem späten 19. Jahrhundert pflegte ein Aufseher über die Arbeit der Winzer zu wachen. Karlheinz Scheurer: “Man hat einen wunderschönen Blick über Kürenz und den Grüneberg.”

Nach der Entlastung von Kassenwart und Vorstand wurden Winfried Rohmann und Peter Bauch als Kassenprüfer bestätigt. Der Geschäftsbericht von Peter Späth weist Erträge von 84 320 Euro sowie einen Gewinn von 3150 Euro aus. DQ

 

Petrusbrunnen: Die Rückkehr des Kitschs

Das Projekt Petrusbrunnen-Instandsetzung ist unter Dach und Fach. Stadt und Trier-Gesellschaft haben am Freitag die Vereinbarung zur Rettung des beschädigten Denkmals unterzeichnet. Im September soll der Brunnen auf dem Hauptmarkt wie nach seiner jüngsten Restaurierung 1983 aussehen – ein Anblick, der vor 30 Jahren umstritten war.

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Trier. Für viele Augenzeugen war es ein Kulturschock. Als 1983 nach monatelanger Restaurierung der Petrusbrunnen feierlich enthüllt wurde, ging ein Aufschrei durchs Publikum. So knallbunt hatte noch niemand Stadtpatron Petrus und die anderen Brunnenfiguren gesehen. Von Kitsch und Zuckerguss war die Rede. Vorher grau, jetzt zum Grauen? Der kunstsinnige Oberbürgermeister Felix Zimmermann glättete die Wogen der Empörung und versicherte, das Denkmal sei schon anno 1595 schön bunt gewesen, als Bildhauer Hans Ruprecht Hoffmann es geschaffen hat. Aber der Zahn der Zeit habe den Anstrich zerstört und Petrus & Co. in Grauschleier gehüllt. An die Überdosis neuzeitlicher Farbenpracht hatten sich die Trierer schnell gewöhnt, der Zahn der Zeit nagte jedoch weiter. Mittlerweile ist schon wieder eine Restaurierung nötig. Rund 100 000 Euro kostet es, den Brunnen optisch auf Vordermann zu bringen und die marode Technik zu reparieren – eine Summe, die das Rathaus nicht im Alleingang aufbringen kann. Deshalb lief die Trier-Gesellschaft e. V. offene Türen ein mit dem Angebot, als Bauherr einzuspringen und 40 000 Euro beizusteuern. Weitere Unterstützung haben die Mainzer Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE; 15 000 Euro) und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (10 000 Euro) avisiert. Die Stadt, Besitzerin des Brunnens, zahlt 35 000 Euro.

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Für den 1982 gegründeten Verein ist die Runderneuerung ein Jubiläumsprojekt. 99 Denkmäler wurden mit seiner Unterstützung gerettet, darunter der Frankenturm und der Balduinbrunnen. Der Petrusbrunnen soll das 100. sein. Abgesehen von der Finanzierung: Die Abwicklung des Vorhabens ist unter Regie der Trier-Gesellschaft unkomplizierter als für die Stadt: “Wir können Ausschreibungen auf die Region beschränken und flexibler agieren als eine Behörde, die vielen Sachzwängen unterliegt”, erläutert der Vorsitzende Karlheinz Scheurer. In Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege und dem für städtische Brunnen zuständigen Grünflächenamt soll das Projekt jetzt schnell auf den Weg gebracht werden, nachdem am Freitag Scheurer und Oberbürgermeister Klaus Jensen die Vereinbarung unterzeichnet haben.

Im Gegensatz zum Balduinbrunnen, der 2009/10 auseinandergebaut werden musste, sind Statik und Grundsubstanz des Petrusbrunnens in Ordnung. Auf dem Hauptmarkt stehen die Befreiung von Algen und Moosen, Steinkonservierung und -restaurierung, das Ersetzen fehlender Figurenteile, die Erneuerung der Bleiabdichtung im Trog und die Reparatur der Technik auf dem Programm. Und natürlich die Auffrischung der Farbfassung. Der Brunnen solle wieder so aussehen wie 1983, kündigt Denkmalamtschefin Angelika Meyer an. Dieses Vorgehen kritisiert Stadtratsmitglied Dominik Heinrich (Grüne): “Schon die 1983er Farbfassung war nicht wirklich fundiert. Statt zuckergussartigem Hochglanz brauchen wir erst einmal eine wissenschaftliche Auseinandersetzung.” Dem erteilt neben Angelika Meyer (“Es ist mit der Landesdenkmalpflege besprochen, die Farbigkeit zu belassen”) ebenso eine Absage wie Trier-Gesellschafts-Vorstand Gilbert Haufs-Brusberg: “Der Brunnen ist typisch manieristisch: verspielt, witzig, fast schon kitschig. Da gehört diese Farbgebung absolut dazu.”

In frischem Glanz erstrahlen soll der Petrusbrunnen spätestens am bundesweiten Denkmaltag am 8. September.