Überschrift Rein ins Mittelalter!

Trier bietet weitaus mehr als Römer, Riesling und Rallye-WM. Zum Beispiel den Frankenturm. Das wehrhafte Gemäuer steht für die Entwicklung des Bauens und Wohnens im Mittelalter, aber es steht auch trotz seiner Nähe zum Hauptmarkt im Abseits.

vorstand_Sie wollen den Frankenturm dauerhaft für Besucher öffnen: Karl-Heinz Scheurer, Gert Burscheid, Architekt Gerd Kintzinger und Gustel Thormeyer von der Trier-Gesellschaft.
Sie wollen den Frankenturm dauerhaft für Besucher öffnen: Karlheinz Scheurer, Gert Burscheid, Gerd Kintzinger und Gustel Thormeyer von der Trier-Gesellschaft.

 

 

Die Trier-Gesellschaft, die sich für die Erhaltung von Kulturdenkmalen engagiert, und der Trierische Volksfreund wollen den 900 Jahre alten Frankenturm wieder zum Leben erwecken und Deutschlands ältester Stadt damit zu einer weiteren, weit und breit einzigartigen Attraktion verhelfen.

Denn der Frankenturm in der Dietrichstraße dokumentiert in eindrucksvoller Weise die feudale befestigte Hausform, die sich im 11. und 12. Jahrhundert der erzbischöfliche Dienstadel als Mittelpunkt auf seine Hofanlagen stellte. Und er spricht Bände.

  • Als Statussymbol: Seine nicht zwangsläufig notwendige und für damalige Verhältnisse fast „Wolkenkratzer-artige“ Ursprungshöhe von rund 25 Metern zeugt vom wachsenden Selbstbewusstsein und Machtanspruch der Minesterialen-Clans.
  • Als Beispiel für Cleverness und Geschmack: Der (unbekannte) Erbauer recycelte zum weitaus größten Teil Steine aus römischen Ruinen und kopierte antike Dekor-Elemente.
  • Als luxuriöse Schutzbehausung: Trier war bis weit ins 13. Jahrhundert eine offene Stadt, der die zerfallene antike Stadtmauer keine Sicherheit mehr bot. In den Wohntürmen mit ihren meterdicken Wänden konnten sich im Krisenfall die Bewohner für längere Zeit verschanzen.

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Erst 1248 brach mit der Fertigstellung der mittelalterlichen Stadtmauer eine neue Ära an. Die Wohntürme kamen aus der Mode. Der Frankenturm hat neben dem einige Jahrzehnte jüngeren Turm Jerusalem als einziger von einstmals acht dieser steinernen Giganten die Jahrhunderte überdauert. Das Dreikönigenhaus (Simeonstraße 19) mit seiner prunkvollen Fassade und den größeren Fensteröffnungen verkörpert bereits eine neue Generation von exklusiven Stadtadels-Domizilen.

Anders als sein Name vermuten lässt, steht der Wohnturm in der Dietrichstraße in keinerlei Beziehung zu „Franken“. Namensgeber ist Franco von Senheim, im 14. Jahrhundert sein Besitzer.

 

Später gehörte der Turm zeitweilig der Abtei St. Matthias, heute ist er städtisches Eigentum.
Das heutige Erscheinungsbild des im Laufe der Jahrhunderte zur Ruine verkommenen und zum Lagerraum degradierten Frankenturms ist Friedrich Kutzbach (1873 – 1942) zu verdanken. Triers hochverdienter Stadtkonservator lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit wieder auf das hochkarätige Denkmal und schuf die planerischen Voraussetzungen für die Sanierung und Rekonstruierung.

An Plänen zur Nutzung des Frankenturms mangelte es seit der Nachkriegszeit nie. Letztendlich aber scheiterten alle Vorhaben an der Finanzierbarkeit, Rentabilität und geringen Geschossfläche. Für die Öffentlichkeit blieb das wahrhaft starke Stück Mittelalter verschlossen.

Die Trier-Gesellschaft und der Trierische Volksfreund wollen in einer gemeinsamen Aktion die finanzielle Basis schaffen, um den Frankenturm zu öffnen und für kleinere Veranstaltungen nutzen. Der Umbau hierzu wurde erfolgreich beendet.

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